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28.10.2020, 07:48 Uhr

Mittelstand in der Corona Krise – wie hilft Europa? Wie unterstützen regionale Banken?

Am gestrigen Tage hielt die Mittelstandsunion Braunschweig wieder eine Online-Diskussion zum Thema Finanzierung des Mittelstandes ab. Moderiert von der Vorsitzenden, Frau Antoinette von Gronefeld, nahmen Lena Düpont als Abgeordnete des europäischen Parlamentes und Herr Carsten Ueberschär als Direktionsleiter Braunschweig der Volksbank BraWo eG zum Thema Finanzierung des Mittelstandes Stellung.

Frau Düpont führte zunächst zu den zwei Finanzierungsinstrumenten aus, die der EU zur Verfügung stehen: einerseits dem laufenden Haushalt und andererseits dem außerhalb des Haushalts laufenden so genannten Wiederaufbaufond. Flankiert von weiteren Fördermaßnahmen wie beispielsweise der Förderung eines europäischen Kurzarbeitergeldes (SURE) ist es der EU in der anfänglichen Krise gelungen, relativ kurzfristige und agile Lösungen zu finden: sie führte als weitere kurzfristige praktische Lösung beispielsweise die Einführung von so genannten Green Lanes an der Grenze zur schnelleren Abwicklung des Güterverkehrs an, die Änderung der Medizinprodukteverordnung, die auch den Kaffeefilter als Atemmaske zulässt und die Änderung des Regelung der im Luftverkehr, wonach nicht mehr geflogen werden muss, um Flughafenslots für das Folgejahr zu behalten.

>Sie wies auch darauf hin, dass die Krise nunmehr auch dazu führt, dass sich die Union verschulden kann, was bis dato nicht möglich war. Sie hob die im Vergleich zu den Konzernen in den letzten Monaten gezeigte Anpassungsfähigkeit des diversifizierten und breit aufgestellten Mittelstandes hervor.

Carsten Ueberschär wies darauf hin, dass sich die Banken normalerweise in einem relativ strengen Korsett in der Kreditvergabe bewegen – er verwies insoweit auch auf die Basel-Kriterien. Die Anwendung dieser Kriterien führt dazu, dass bei schlechter Bonität ein höheres Eigenkapital nachgewiesen werden muss – in der Krise würde diese Vorgabe zu einer reduzierten Kreditvergabe führen. Er hob hervor, dass die Politik in der Lage war, auch hier relativ schnelle Deregulierung zu finden, indem die Basel – Kriterien zeitlich ausgesetzt wurden, eine Entbürokratisierung in der Kreditvergabe zugelassen wurde und die Regelung, wonach eine Bank nach 90 Tagen bei Nichtzahlung einer Kreditrate den Kredit abschreiben muss, ebenfalls ausgesetzt wurde.

Befragt zu der Risikokumulation wirtschaftlichen Engagements bei den Banken erklärte er, dass die Banken über die letzten Jahre glücklicherweise ein relativ hohes Eigenkapital aufgebaut hätten, was insbesondere auf die Anwendung und die Durchführung der Stresstests zurückzuführen sei. Er rechne also damit, dass die Banken auch insoweit gut durch die Krise kommen und den Mittelstand für weitere Finanzierung zur Verfügung stehen. Er wies darauf hin, dass die für 2021 angesetzten Stresstests für die Banken um zwei Jahre, also auf 2023, verschoben worden sind. Von einer Vorausschau in die Zukunft distanzierte sich Ueberschär: angesichts der nie vorausgeahnten Entwicklungen letzten Jahre, die der Finanzkrise 2008/2009 folgten, dem stetigen Zinsverfall und inzwischen sogar Bestrebungen, Positivzinsen auf Darlehen zu prüfen, wollte er sich auf eine Prognose nicht festlegen.

Angesprochen und diskutiert wurde auch die Start-up- Förderung. Während Düpont auf bestimmte Finanzierungsinstrumente auf europäischer Ebene hinwies, war es Ueberschär wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Finanzierung von Startups auf Seiten der Banken aufgrund der Kreditvergabekriterien einfacher denn je geworden ist. Die Start-up-Finanzierung sieht jedoch zwei Komponenten vor, ohne die insgesamt keine Finanzierung funktioniert: zum einen Eigenkapital oder Risikokapital und zum anderen Fremdkapital. Die Bank kann nur Fremdkapital zur Verfügung stellen, kein Risikokapital. Die Komponente Eigenkapital oder Risikokapital ist in der jetzigen Krise das Hauptproblem. Öffentliche Unterstützung, um die Komponente Eigenkapital oder Risikokapital aufzufüllen oder darzustellen, ist daher hilfreich.

Das Fazit lässt sich wie folgt festhalten: so lange in der Bundesrepublik das Dreieck zwischen Mittelstand, Politik und Banken ausreichend Flexibilität zeigt, gibt es Hoffnung für den deutschen Mittelstand, einigermaßen durch die Krise zu kommen. Gleichwohl waren sich alle Beteiligten einig: es wird hart, die Fördertöpfe sind teilweise nicht mehr so voll wie im Frühling bei Beginn der Krise, so dass Insolvenzen nicht ausgeschlossen werden können.

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